{"id":2982,"date":"2019-10-16T13:31:26","date_gmt":"2019-10-16T11:31:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kfz-expert.de\/?p=2982"},"modified":"2019-10-16T13:31:26","modified_gmt":"2019-10-16T11:31:26","slug":"urteil-des-ag-fuerstenwalde-vom-24-07-2008-merkantile-wertminderung-auch-bei-7-jahre-altem-fahrzeug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kfz-expert.de\/?p=2982","title":{"rendered":"Urteil des AG F\u00fcrstenwalde vom 24.07.2008 &#8211; merkantile Wertminderung auch bei 7 Jahre altem Fahrzeug"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"90%\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"35%\"><span style=\"color: #808080;\"><b><u>21 C 461\/09<br \/>\n<\/u><\/b><\/span><\/td>\n<td width=\"23%\">\n<p align=\"center\">\n<\/td>\n<td width=\"42%\"><span style=\"font-size: medium; color: #808080;\">Verk\u00fcndet am 23.02.2010<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p class=\"FR1\" align=\"center\">\n<p class=\"FR1\" align=\"center\"><span style=\"font-size: small;\"><b>AMTSGERICHT MINDEN<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"FR1\" align=\"center\"><span style=\"font-size: small;\"><b>IM NAMEN DES VOLKES<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"FR1\" align=\"center\"><b><span style=\"font-size: small;\">URTEIL<\/span><\/b><\/p>\n<p class=\"FR1\" align=\"center\">In dem Rechtsstreit<\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"left\">\n<\/blockquote>\n<p align=\"left\">hat das Amtsgericht Minden aufgrund der m\u00fcndlichen Verhandlung vom 23.02.2010 durch die Richterin am Amtsgericht Niewerth<\/p>\n<p align=\"left\">f\u00fcr Recht erkannt:<\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"justify\">Die Beklagte wird verurteilt, an den Kl\u00e4ger weitere 583,86 EUR nebst 5% Zinsen seit dem 14.10.2008 zu zahlen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Kosten des Rechtsstreits tr\u00e4gt zu 22 % der Kl\u00e4ger, zu 78 % die Beklagte.<\/p>\n<p>Das Urteil ist vorl\u00e4ufig vollstreckbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><strong><u>Tatbestand<\/u> <\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Von der Darstellung des Tatbestandes wird gem. \u00a7 313 a Abs. 1 ZPO abgesehen.<\/p>\n<blockquote><p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><strong><u>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/u> <\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"justify\">Der Kl\u00e4ger hat Anspruch auf Zahlung weiteren Schadenersatzes in H\u00f6he von 583,86 Euro gem. \u00a7\u00a7 7,17,18 StVG, 6 Pflichtversicherungsgesetz. Unstreitig haftete die Beklagte im vollem Umfang auf Schadenersatz aufgrund des Verkehrsunfalls vom 22.09.2008. Aus diesem Verkehrsunfall stehen dem Kl\u00e4ger noch 400,00 Euro an Wertminderung und weitere Gutachterkosten in H\u00f6he von 183,86 Euro zu.<\/p>\n<p align=\"justify\">Gem\u00e4\u00df dem Gutachten des Sachverst\u00e4ndigen B&#8230;&#8230;. vom 24.09.2008 und der erg\u00e4nzenden Stellungnahme vom 03.02.2009 ist an dem Kl\u00e4gerfahrzeug durch den streitgegenst\u00e4ndlichen Verkehrsunfall ein merkantiler Minderwert von 400,00 Euro eingetreten. Das Gericht hat keine Bedenken, dass nach den Umst\u00e4nden dieses Einzelfalls bei dem erstmals am 28.01.2000 zugelassenen, zum Unfallzeitpunkt gut 8 Jahre alten Unfallfreien und im Wesentlichen nicht vorgesch\u00e4digten Fahrzeug im gepflegten Allgemeinzustand mit einer Laufleistung von 123.000 km, und den angesichts des Wiederbeschaffungswertes von 9,200,00 Euro hohen Reparaturkosten von 6.876,24 Euro brutto und 5.778,35 Euro netto ein Minderwert zu bejahen ist. Der Bundesgerichtshof hat bisher nicht abschlie\u00dfend entschieden, bis zu welchem Alter eines Fahrzeuges und bis zu welcher Laufleistung ein merkantiler Minderwert zuerkannt werden kann. Er hat in der Entscheidung NJW 2005, 277 jedoch best\u00e4tigt, dass nach sachverst\u00e4ndiger Beratung auch die Zubilligung eines merkantilen Minderwertes bei einem Fahrzeug mit einer Fahrleistung von \u00fcber 100.000 km nicht zu beanstanden ist. Hierzu hat der Sachverst\u00e4ndige B&#8230;&#8230;. in seinem Gutachten erg\u00e4nzend und \u00fcberzeugend ausgef\u00fchrt, dass wertminderungsrelevante Faktoren neben Alter, Laufleistung und Zustand des Fahrzeuges, der Anzahl der Vorbesitzer auch die Marktg\u00e4ngigkeit und die Ausstattung sind. Die H\u00f6he einer merkantilen Wertminderung wird wesentlich durch den Wiederbeschaffungswert, die Art des Schadens und als subjektives Element auch das K\u00e4uferverhalten bestimmt. Der Sachverst\u00e4ndige hat richtig ausgef\u00fchrt, dass das Fahrzeug f\u00fcr sein Alter eine unterdurchschnittliche Laufleistung aufwies. Die Art des Schadens und der Reparaturaufwand der im Verh\u00e4ltnis zum Wiederbeschaffungswert sehr hoch war und mit Beseitigung der Sch\u00e4den im Karosseriegef\u00fcge verbunden war, f\u00fchrt zu einer Offenbarungspflicht des Eigent\u00fcmers im Falle des Verkaufs. Diese Einsch\u00e4tzung des Sachverst\u00e4ndigen ist \u00fcberzeugend. Der Annahme eines merkantilen Minderwertes steht auch nicht entgegen, dass technische Folgesch\u00e4den aus dem Schadensereignis ausgeschlossen sind. Ma\u00dfgeblich ist insoweit n\u00e4mlich nicht die technische Sicht eines Sachverst\u00e4ndigen, sondern die Minderung des Verkaufswertes, der trotz v\u00f6lliger und ordnungsgem\u00e4\u00dfer Instandsetzung eines bei einem Unfall erheblich besch\u00e4digten Kraftfahrzeugs allein deshalb verbleibt, weil bei einem gro\u00dfen Teil des K\u00e4uferpublikums vor allem wegen des Verdachtes verborgen gebliebener Sch\u00e4den eine den Preis beeinflussende Abneigung gegen den Erwerb unfallbesch\u00e4digter Kraftfahrzeuge besteht. Gerade im Hinblick auf den Schadensumfang und die Tiefe des Schadens, der sich auf tragende Karosserieteile erstreckt hat, ist die Annahme der Wertminderung nachvollziehbar und plausibel. Auch die H\u00f6he der von dem Sachverst\u00e4ndigen gesch\u00e4tzten Wertminderung stehen Bedenken des Gerichtes nicht entgegen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Dar\u00fcber hinaus hat der Kl\u00e4ger auch Anspruch auf Erstattung der Gutachterkosten in H\u00f6he von 183,86 Euro. Durch die Weigerung der Beklagten, eine Wertminderung zu zahlen, durfte der Kl\u00e4ger den Sachverst\u00e4ndigen B&#8230;&#8230; mit der Erg\u00e4nzung seines Gutachtens beauftragen, da auch diese gutachterlichen Ausf\u00fchrungen zur Ermittlung der Schadensh\u00f6he notwendig waren.<\/p>\n<p align=\"justify\">Insgesamt stehen dem Kl\u00e4ger somit weitere 583,86 Euro aus dem Schadensereignis als Schadenersatz zu.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Zinsforderung des Kl\u00e4gers folgt aus \u00a7\u00a7 284, 286, 288 BGB. Die Beklagte befand sich mit Ablauf der ihr gesetzten Zahlungsfrist in Verzug und hat nunmehr die gesetzlichen Zinsen zu zahlen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7\u00a7 92 Abs. 1, 269 ZPO. Der Kl\u00e4ger hatte die Kosten zu tragen, soweit er die Klage zur\u00fcckgenommen hat.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Entscheidung zur vorl\u00e4ufigen Vollstreckbarkeit folgt aus \u00a7\u00a7 708 Nr. 11, 711, 713 ZPO.<\/p>\n<p align=\"justify\">Niewerth<\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"justify\">\n<\/blockquote>\n<p><span class=\"Stil12\">Quelle: <\/span><span class=\"Stil4\">Urteil des Amtsgericht Minden vom 23.02.2010, Az.: 21 C 461\/09<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21 C 461\/09 Verk\u00fcndet am 23.02.2010 AMTSGERICHT MINDEN IM NAMEN DES VOLKES URTEIL In dem Rechtsstreit hat das Amtsgericht Minden aufgrund der m\u00fcndlichen Verhandlung vom 23.02.2010 durch die Richterin am Amtsgericht Niewerth f\u00fcr Recht erkannt: Die Beklagte wird verurteilt, an den Kl\u00e4ger weitere 583,86 EUR nebst 5% Zinsen seit dem 14.10.2008 zu zahlen. 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