{"id":2912,"date":"2019-10-15T11:00:57","date_gmt":"2019-10-15T09:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kfz-expert.de\/?p=2912"},"modified":"2019-10-15T11:00:57","modified_gmt":"2019-10-15T09:00:57","slug":"urteil-des-bgh-vom-23-01-2007-zum-ersatz-des-sachverstaendigenhonorares-in-relation-zur-schadenhoehe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kfz-expert.de\/?p=2912","title":{"rendered":"Urteil des BGH vom 23.01.2007 zum Ersatz des Sachverst\u00e4ndigenhonorares in Relation zur Schadenh\u00f6he"},"content":{"rendered":"<div class=\"FR2\">\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.kfz-expert.de\/bilder\/bgh_re1.jpg\" width=\"81\" height=\"72\" align=\"middle\" \/><\/div>\n<div align=\"center\"><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"FR1\" align=\"center\">\n<h1 align=\"center\">BUNDESGERICHTSHOF<\/h1>\n<h2 align=\"center\">\nIM NAMEN DES VOLKES<\/h2>\n<h2 align=\"center\">\nURTEIL<\/h2>\n<p align=\"left\">\nVI ZR 67\/06<\/p>\n<p align=\"right\">Verk\u00fcndet am:<br \/>\n23. Januar 2007<\/p>\n<p>H o l m e s,<br \/>\nJustizangestellte<br \/>\nals Urkundsbeamtin<br \/>\nder Gesch\u00e4ftsstelle<\/p>\n<p align=\"center\">\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\">in dem Rechtsstreit<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\nNachschlagewerk: ja<br \/>\nBGHZ: nein<br \/>\nBGHR: ja<\/p>\n<p>BGB \u00a7 249 Gb<\/p>\n<p>Nach einem Verkehrsunfall kann grunds\u00e4tzlich ein in Relation zur Schadensh\u00f6he berechnetes Sachverst\u00e4ndigenhonorar als erforderlicher Herstellungsaufwand im Sinne des \u00a7 249 Abs. 2 BGB erstattet verlangt werden.<\/p>\n<p align=\"justify\">BGH, Urteil vom 23. Januar 2007 &#8211; VI ZR 67\/06 &#8211; LG Frankfurt (Oder), AG F\u00fcrstenwalde<\/p>\n<p align=\"justify\">Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die m\u00fcndliche Verhandlung vom 23. Januar 2007 durch die Vizepr\u00e4sidentin Dr. M\u00fcller und die Richter Dr. Greiner, Wellner, Pauge und St\u00f6hr<\/p>\n<p align=\"justify\">f\u00fcr Recht erkannt:<\/p>\n<\/div>\n<blockquote>\n<div class=\"FR1\" align=\"justify\">Auf die Revision des Kl\u00e4gers wird das Urteil der 5. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt (Oder) vom 2. M\u00e4rz 2006 im Kostenpunkt und insoweit aufgehoben, als zum Nachteil des Kl\u00e4gers erkannt worden ist.<\/p>\n<p>Die Sache wird im Umfang der Aufhebung zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch \u00fcber die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zur\u00fcckverwiesen.<\/p><\/div>\n<\/blockquote>\n<div class=\"FR1\" align=\"center\">\n<p align=\"center\">Von Rechts wegen<\/p>\n<p align=\"center\"><strong><u>Tatbestand:<\/u><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\">Der Kl\u00e4ger begehrt von der Beklagten als Haftpflichtversicherer des Sch\u00e4digers Erstattung der Kosten f\u00fcr ein Sachverst\u00e4ndigengutachten, das er nach einem Verkehrsunfall eingeholt hat. Die uneingeschr\u00e4nkte Haftung der Beklagten f\u00fcr die entstandenen Sch\u00e4den ist unstreitig.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Kl\u00e4ger beauftragte den Sachverst\u00e4ndigen Dipl.-Ing. Q. mit der Begutachtung seines besch\u00e4digten Fahrzeugs. In der im Auftrag enthaltenen Preisvereinbarung hei\u00dft es:<\/p>\n<p align=\"justify\">&#8222;<strong>A)<\/strong>\u00a0Die Grundgeb\u00fchr (G) richtet sich &#8211;\u00a0<u><strong>nach der Schadenh\u00f6he<\/strong><\/u>\u00a0(S)* &#8211; unterhalb (S) = 600 Euro betr\u00e4gt (G) = 99 Euro und ab (S) 600 Euro betr\u00e4gt (G) = (S) hoch 0,57 x 3 Euro bei manueller Kalkulation (Daten \u00fcber Terminal nicht abrufbar) gilt G plus 20 % und bei verringertem Aufwand (ohne Kalkulation) gilt G &#8211; 40 % zus\u00e4tzlich bei sp\u00e4terer Nach-\/Altteilbesichtigung, bzw. Stellungnahmen erfolgt eine zus\u00e4tzliche Berechnung mit G &#8211; 50 % oder nach Zeitaufwand.<strong>\u00a0B)<\/strong>\u00a0<u><strong>nach der aufgewendeten Zeit<\/strong><\/u>\u00a0*(mit 85 Euro\/je Std.)\u00a0<strong>C)<\/strong>\u00a0Hinzu kommen im-mer die Nebenkosten ** und die gesetzliche MwSt ***.<\/p>\n<p>* nicht zutreffenden Fettdruck der Preisvereinbarung bitte streichen.&#8220;<\/p>\n<p>Bei Buchstabe B) waren die Worte &#8222;nach der aufgewendeten Zeit&#8220; gestrichen. Die Nebenkosten waren unterhalb dieses Textes pauschaliert und erl\u00e4utert.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Sachverst\u00e4ndige stellte dem Kl\u00e4ger f\u00fcr das erstattete Gutachten 363,73 \u20ac brutto in Rechnung. Die Grundgeb\u00fchr berechnete er laut Schadensh\u00f6he mit 221,56 \u20ac netto; f\u00fcr Fahrtkosten, Farbbilder, Porto\/Telefon, Terminal- und Schreibgeb\u00fchren berechnete er weitere 92 \u20ac netto. Da die Beklagte die Zahlung der Sachverst\u00e4ndigenkosten ablehnte, beglich der Kl\u00e4ger die Rechnungssumme.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das Amtsgericht hat die Beklagte durch ein Vers\u00e4umnisurteil zur Zahlung von 363,73 \u20ac nebst Zinsen verurteilt. Auf den fristgerechten Einspruch hat es das Vers\u00e4umnisurteil aufrechterhalten. Das Berufungsgericht hat das Urteil teilweise abge\u00e4ndert und die Beklagte unter Abweisung der Klage im \u00dcbrigen zur Zahlung von 160 \u20ac nebst Zinsen verurteilt. Hiergegen richtet sich die vom Berufungsgericht zugelassene Revision des Kl\u00e4gers, mit der er die Wiederherstellung des erstinstanzlichen Urteils begehrt.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong><u>Entscheidungsgr\u00fcnde:<\/u><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\"><strong>I.<\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\">Nach Auffassung des Landgerichts ist die H\u00f6he der Reparaturkosten nicht geeignet, den erforderlichen Aufwand f\u00fcr die Begutachtung des besch\u00e4digten Fahrzeugs zu bestimmen. Soweit der Gutachter sein Honorar gem\u00e4\u00df \u00a7 315 BGB bestimmt habe, sei die Festsetzung des Honorars nach Reparaturaufwand unbillig. F\u00fcr das Entgelt komme es auf den Wert der verg\u00fcteten Leistung an. Bei der Erstellung eines Gutachtens sei das Entgelt demnach abh\u00e4ngig von der aufgewandten Arbeit und seiner wirtschaftlichen Bedeutung. Das Entgelt sei deshalb entsprechend dem Justizverg\u00fctungs- und Entsch\u00e4digungsgesetz (JVEG) zu bemessen, das f\u00fcr die gerichtliche T\u00e4tigkeit eines Sachverst\u00e4ndigen gelte. Dem Kl\u00e4ger stehe daher nur ein Anspruch auf Ersatz der Stundenverg\u00fctung nach dem JVEG f\u00fcr h\u00f6chstens 71 Minuten in H\u00f6he von 112,50 \u20ac zu.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Sch\u00e4diger sei nicht verpflichtet, \u00fcbersetzte Kosten zu tragen, wenn der Gesch\u00e4digte gegen seine Schadensminderungspflicht versto\u00dfen habe. Gem\u00e4\u00df \u00a7 249 Abs. 2 BGB seien grunds\u00e4tzlich nur die Kosten ersetzbar, die zur Erstattung des Gutachtens erforderlich seien. Der hier zu entscheidende Fall sei mit den F\u00e4llen der Unfallersatztarife vergleichbar. Auch hier h\u00e4tten der Sch\u00e4diger und sein Haftpflichtversicherer keinen Einfluss auf die H\u00f6he des Ent-gelts, m\u00fcssten dieses aber tragen. F\u00fcr den Gesch\u00e4digten sei zudem erkennbar gewesen, dass er lediglich den Aufwand f\u00fcr die Erstellung des Gutachtens zu zahlen habe und sich dieser Aufwand auch nach dem tats\u00e4chlichen Zeitaufwand ermitteln lasse. Das Formular der eingereichten Honorarvereinbarung sehe n\u00e4mlich ausdr\u00fccklich auch eine Berechnung &#8222;nach der aufgewendeten Zeit&#8220; vor.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>II.<\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\">Diese Ausf\u00fchrungen halten einer revisionsrechtlichen \u00dcberpr\u00fcfung nicht stand.<\/p>\n<\/div>\n<ol>\n<li>\n<div class=\"FR1\" align=\"justify\">Im Ausgangspunkt ohne Rechtsfehler h\u00e4lt das Berufungsgericht die Kosten des Sachverst\u00e4ndigengutachtens dem Grunde nach f\u00fcr erstattungsf\u00e4hig. Diese Kosten geh\u00f6ren zu den mit dem Schaden unmittelbar verbundenen und gem\u00e4\u00df \u00a7 249 Abs. 1 BGB auszugleichenden Verm\u00f6gensnachteilen, soweit die Begutachtung zur Geltendmachung des Schadensersatzanspruchs erforderlich und zweckm\u00e4\u00dfig ist (vgl. Senatsurteil vom 30. November 2004 &#8211; VI ZR 365\/03 &#8211; VersR 2005, 380; BGH, Urteil vom 29. November 1988 &#8211; X ZR 112\/87 &#8211; NJW-RR 1989, 953, 956). Ebenso k\u00f6nnen diese Kosten zu dem nach \u00a7 249 Abs. 2 Satz 1 BGB erforderlichen Herstellungsaufwand geh\u00f6ren, wenn eine vorherige Begutachtung zur tats\u00e4chlichen Durchf\u00fchrung der Wiederherstellung erforderlich und zweckm\u00e4\u00dfig ist (vgl. Senatsurteile vom 6. November 1973 &#8211; VI ZR 27\/73 &#8211; VersR 1974, 90, insoweit in BGHZ 61, 346 nicht abgedruckt; vom 29. Januar 1985 &#8211; VI ZR 59\/84 &#8211; VersR 1985, 441, 442; vom 30. November 2004 &#8211; VI ZR 365\/03 &#8211; aaO; Wortmann, VersR 1998, 1204, 1210 f.).<\/div>\n<\/li>\n<li>\n<div class=\"FR1\" align=\"justify\">Soweit das Berufungsgericht annimmt, die H\u00f6he der Reparaturkosten sei grunds\u00e4tzlich nicht geeignet, den erforderlichen Aufwand f\u00fcr die Begutachtung des besch\u00e4digten Fahrzeugs zu bestimmen, ist bereits die Ankn\u00fcpfung an \u00a7 315 BGB verfehlt. Wie das Berufungsgericht selbst erkennt, ist zwischen dem Kl\u00e4ger und dem Sachverst\u00e4ndigen eine Preisvereinbarung getroffen worden, so dass keine einseitige Bestimmung durch den Sachverst\u00e4ndigen vorliegt. F\u00fcr die schadensrechtliche Betrachtung ist ohnehin von \u00a7 249 BGB auszugehen.<\/div>\n<ol>\n<li type=\"a\">\n<div class=\"FR1\" align=\"justify\">Nach \u00a7 249 Abs. 2 Satz 1 BGB hat der Sch\u00e4diger den zur Wiederherstellung der besch\u00e4digten Sache erforderlichen Geldbetrag zu zahlen. Er hat hierzu den Finanzierungsbedarf des Gesch\u00e4digten in Form des zur Wiederherstellung erforderlichen Geldbetrags zu befriedigen und nicht etwa vom Gesch\u00e4digten bezahlte Rechnungsbetr\u00e4ge zu erstatten (vgl. Senatsurteile BGHZ 61, 56, 58; 61, 346, 347 f.; 63, 182, 184). Der tats\u00e4chliche Aufwand bildet freilich (ex post gesehen) bei der Schadenssch\u00e4tzung nach \u00a7 287 ZPO oft einen Anhalt zur Bestimmung des zur Herstellung &#8222;erforderlichen&#8220; (ex ante zu bemessenden) Betrages im Sinne von \u00a7 249 Abs. 2 Satz 1 BGB. Indes ist der tats\u00e4chlich aufgewendete Betrag nicht notwendig mit dem zu ersetzenden Schaden identisch. Insbesondere deshalb kann die Berechnung des Schadens grunds\u00e4tzlich nicht von etwaigen rechtlichen M\u00e4ngeln der zu seiner Beseitigung tats\u00e4chlich eingegangenen Verbindlichkeiten (z.B. einer \u00fcberh\u00f6hten Honorarforderung des Sachverst\u00e4ndigen) abh\u00e4ngig gemacht werden (vgl. Senatsurteil BGHZ 61, 346, 348). Wahrt der Gesch\u00e4digte den Rahmen des zur Wiederherstellung Erforderlichen, sind weder der Sch\u00e4diger noch das Gericht im Schadensersatzprozess berechtigt, eine Preiskontrolle durchzuf\u00fchren (vgl. Senatsurteil vom 29. Juni 2004 &#8211; VI ZR 211\/03 &#8211; VersR 2004, 1189, 1190 f.). Dies gilt auch f\u00fcr die H\u00f6he des Sachverst\u00e4ndigenhonorars (vgl. AG Essen VersR 2000, 68, 69; AG Siegburg ZfS 2003, 237, 238; Ro\u00df NZV 2001, 321, 323).<\/div>\n<\/li>\n<li type=\"a\">\n<div class=\"FR1\" align=\"justify\">Nach den vorstehenden Grunds\u00e4tzen kommt es entgegen der Auffassung der Revisionserwiderung im Schadensersatzprozess grunds\u00e4tzlich nicht darauf an, ob die zwischen dem Kl\u00e4ger und dem Sachverst\u00e4ndigen getroffene Preisvereinbarung wegen eines Versto\u00dfes gegen das Transparenzgebot nach \u00a7 307 BGB unwirksam ist. Ebenso ist es nicht von Bedeutung, welche Verg\u00fctung bei fehlender Honorarvereinbarung zwischen dem Gesch\u00e4digten und dem Sachverst\u00e4ndigen von letzterem nach &#8222;billigem Ermessen&#8220; gem\u00e4\u00df \u00a7 315 Abs. 1 BGB bestimmt werden k\u00f6nnte. Ma\u00dfgeblich ist vielmehr, ob sich die an den Sachverst\u00e4ndigen gezahlten Kosten nach den anzuwendenden schadensrechtlichen Gesichtspunkten im Rahmen des zur Wiederherstellung Erforderlichen halten.<\/p>\n<p>Die Frage, ob nach einem Verkehrsunfall ein in Relation zur Schadensh\u00f6he berechnetes Sachverst\u00e4ndigenhonorar als erforderlicher Herstellungsaufwand im Sinne des \u00a7 249 Abs. 2 BGB verlangt werden kann, wird von einer Vielzahl von Gerichten bejaht (vgl. etwa AG Altenkirchen ZfS 1994, 88; AG M\u00fcnchen DAR 1996, 298; AG K\u00f6ln VersR 1988, 1251, 1252; AG Aachen, ZfS 1999, 196; AG Herne-Wanne NZV 1999, 256, 257; AG Halle-Saalkreis ZfS 1999, 337; AG Hattingen VersR 2000, 1426, 1427; AG Darmstadt ZfS 2000, 65; AG Frankfurt a.M. ZfS 2001, 165; SP 2002, 287, 288; AG Wiesbaden SP 2002, 360; AG Westerburg ZfS 2000, 63, 64; ZfS 2002, 72, 73; AG Eltville SP 2002, 322; AG Bad Kreuznach SP 2002, 72; AG Hamm SP 2002, 322; AG Dresden DAR 2002, 459, 460; AG Siegburg ZfS 2003, 237, 238; AG Weinheim ZfS 2004, 18; AG N\u00fcrnberg ZfS 2004, 131; AG Berlin-Mitte SP 2005, 175; LG Halle ZfS 2006, 91; ebenso Ro\u00df, aaO; a.A. z.B. LG K\u00f6ln SP 2002, 320; AG Leipzig SP 2002, 287; LG Leipzig, Urteil vom 23. M\u00e4rz 2005 &#8211; 1 S 7099\/04). Hiergegen bestehen aus schadensrechtlicher Sicht keine Bedenken.<\/p><\/div>\n<\/li>\n<li type=\"a\">\n<div class=\"FR1\" align=\"justify\">Der Gesch\u00e4digte ist nach schadensrechtlichen Grunds\u00e4tzen in der Wahl der Mittel zur Schadensbehebung frei (vgl. Senatsurteile BGHZ 154, 395, 398; 155, 1, 4; 162, 161, 165 f.; vom 20. Juni 1989 &#8211; VI ZR 334\/88 &#8211; VersR 1989, 1056 f.). Er darf zur Schadensbeseitigung grunds\u00e4tzlich den Weg einschlagen, der aus seiner Sicht seinen Interessen am besten zu entsprechen scheint (vgl. Senatsurteil vom 18. Januar 2005 &#8211; VI ZR 73\/04 &#8211; VersR 2005, 558, 559), so dass er im Regelfall berechtigt ist, einen qualifizierten Gutachter seiner Wahl mit der Erstellung des Schadensgutachtens zu beauftragen (H\u00f6rl NZV 2003, 305, 306 f.; Wortmann ZfS 1999, 1, 2; ders. VersR 1998, 1204, 1210).<br \/>\nDer Gesch\u00e4digte kann jedoch vom Sch\u00e4diger nach \u00a7 249 Abs. 2 BGB als erforderlichen Herstellungsaufwand nur die Kosten erstattet verlangen, die vom Standpunkt eines verst\u00e4ndigen, wirtschaftlich denkenden Menschen in der Lage des Gesch\u00e4digten zur Behebung des Schadens zweckm\u00e4\u00dfig und angemessen erscheinen (vgl. Senatsurteile BGHZ 115, 364, 369; 160, 377, 383; 162, 161, 165). Er ist nach dem Wirtschaftlichkeitsgebot gehalten, im Rahmen des ihm Zumutbaren den wirtschaftlicheren Weg der Schadensbehebung zu w\u00e4hlen, sofern er die H\u00f6he der f\u00fcr die Schadensbeseitigung aufzuwendenden Kosten beeinflussen kann. Dabei ist bei der Beurteilung, welcher Herstellungsaufwand erforderlich ist, auch R\u00fccksicht auf die spezielle Situation des Gesch\u00e4digten, insbesondere auf seine individuellen Erkenntnis- und Einflussm\u00f6glichkeiten sowie auf die m\u00f6glicherweise gerade f\u00fcr ihn bestehenden Schwierigkeiten zu nehmen (vgl. Senatsurteile 115, 364, 368 f.; 132, 373, 376 f.; 155, 1, 4 f.; 162, 161, 164 f.; 163, 362, 365). Auch ist der Gesch\u00e4digte grunds\u00e4tzlich nicht zu einer Erforschung des ihm zug\u00e4nglichen Markts verpflichtet, um einen f\u00fcr den Sch\u00e4diger und dessen Haftpflichtversicherer m\u00f6glichst preisg\u00fcnstigen Sachverst\u00e4ndigen ausfindig zu machen, wobei f\u00fcr ihn allerdings das Risiko verbleibt, dass er ohne n\u00e4here Erkundigungen einen Sachverst\u00e4ndigen beauftragt, der sich sp\u00e4ter im Prozess als zu teuer erweist (vgl. Senatsurteil BGHZ 163, 362, 367 f.).<\/div>\n<\/li>\n<li type=\"a\">\n<div class=\"FR1\" align=\"justify\">Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts hat sich an diesen Grunds\u00e4tzen durch die neuere Rechtsprechung des Senats zum &#8222;Unfallersatztarif&#8220; nichts ge\u00e4ndert. Nach dieser kann aus schadensrechtlicher Sicht der zur Herstellung erforderliche Geldbetrag nicht ohne weiteres mit einem &#8222;Unfallersatztarif&#8220; gleichgesetzt werden, wenn sich ein besonderer Tarif f\u00fcr Ersatzmietwagen nach Unf\u00e4llen entwickelt hat, der nicht mehr ma\u00dfgeblich von Angebot und Nachfrage bestimmt wird, sondern insbesondere durch gleichf\u00f6rmiges Verhalten der Anbieter (vgl. Senatsurteile BGHZ 160, 377, 383 f.; 163, 19, 22 f.). Die dieser Rechtsprechung zugrunde liegenden Sachverhalte erhalten dadurch ihr Gepr\u00e4ge, dass die den Unfallgesch\u00e4digten angebotenen &#8222;Unfallersatztarife&#8220; erheblich \u00fcber den f\u00fcr Selbstzahler angebotenen &#8222;Normaltarifen&#8220; liegen k\u00f6nnen (vgl. Senatsurteil BGHZ 160, 377, 383 f.). Das Berufungsgericht hat nicht festgestellt, dass sich eine derartige Marktsituation auch bei der Erstellung von KFZ-Schadensgutachten etabliert hat. Hierf\u00fcr sind auch keine Anhaltspunkte ersichtlich.<\/div>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li>\n<div class=\"FR1\" align=\"justify\">Nach den dargelegten Grunds\u00e4tzen und unter Ber\u00fccksichtigung der zum Zeitpunkt des Berufungsurteils noch nicht ergangenen Entscheidung des X. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs vom 4. April 2006 zur Zul\u00e4ssigkeit eines an der Schadensh\u00f6he orientierten Pauschalhonorars f\u00fcr Routinegutachten (X ZR 122\/05, BGHZ 167, 139 = VersR 2006, 1131) kann das Berufungsurteil keinen Bestand haben.<\/div>\n<ol>\n<li type=\"a\">\n<div class=\"FR1\" align=\"justify\">Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts \u00fcberschreitet ein Kraftfahrzeugsachverst\u00e4ndiger allein dadurch, dass er eine an der Schadensh\u00f6he orientierte angemessene Pauschalierung des Honorars vornimmt, die Grenzen der rechtlich zul\u00e4ssigen Preisgestaltung grunds\u00e4tzlich nicht. Schadensgutachten dienen in der Regel dazu, die Realisierung von Schadensersatzforderungen zu erm\u00f6glichen. Die richtige Ermittlung des Schadensbetrages wird als Erfolg geschuldet; hierf\u00fcr haftet der Sachverst\u00e4ndige. Deshalb tr\u00e4gt eine an der Schadensh\u00f6he orientierte angemessene Pauschalierung des Honorars dem nach der Rechtsprechung entscheidend ins Gewicht fallenden Umstand Rechnung, dass das Honorar des Sachverst\u00e4ndigen die Gegenleistung f\u00fcr die Feststellung des wirtschaftlichen Wertes der Forderung des Gesch\u00e4digten ist (vgl. BGH, Urteil vom 4. April 2006 &#8211; X ZR 122\/05 &#8211; aaO Rn. 15 ff.).<\/div>\n<\/li>\n<li type=\"a\">\n<div class=\"FR1\" align=\"justify\">Nach dem genannten Urteil ist auch die vom Berufungsgericht vorgenommene \u00dcbertragung der Grunds\u00e4tze des JVEG f\u00fcr die Verg\u00fctung gerichtlicher Sachverst\u00e4ndiger auf Privatgutachter nicht angebracht. Der Anwendungsbereich des JVEG ist auf die in \u00a7 1 JVEG genannten Verfahren beschr\u00e4nkt. Einer \u00dcbertragung auf Privatgutachter steht schon der Umstand entgegen, dass Privatgutachter im Unterschied zu gerichtlichen Sachverst\u00e4ndigen, die zu den Parteien nicht in einem Vertragsverh\u00e4ltnis stehen, dem Auftraggeber nach allgemeinen Regeln sowohl vertragsrechtlich als auch deliktsrechtlich haften, w\u00e4hrend die Haftung gerichtlicher Sachverst\u00e4ndiger der Sonderregelung des \u00a7 839a BGB unterliegt, die die Haftung auf grobe Fahrl\u00e4ssigkeit und Vorsatz beschr\u00e4nkt hat, damit der Sachverst\u00e4ndige, der nach den Verfahrensordnungen (\u00a7 407 ZPO, \u00a7 75 StPO) regelm\u00e4\u00dfig zur \u00dcbernahme der Begutachtung verpflichtet ist, seine T\u00e4tigkeit ohne den Druck eines m\u00f6glichen R\u00fcckgriffs der Parteien aus\u00fcben kann (vgl. BGH, Urteil vom 4. April 2006 &#8211; X ZR 122\/05 &#8211; aaO Rn. 19).<\/div>\n<\/li>\n<li type=\"a\">\n<div class=\"FR1\" align=\"justify\">Das Berufungsgericht hat auch keine Feststellungen getroffen, aus denen sich ergeben k\u00f6nnte, dass die H\u00f6he der geltend gemachten Sachverst\u00e4ndigenkosten den erforderlichen Herstellungsaufwand im Sinne des \u00a7 249 Abs. 2 BGB \u00fcberschreitet. Ohne entsprechende Feststellungen, die das Berufungsgericht entweder mit sachverst\u00e4ndiger Hilfe oder in geeigneten F\u00e4llen im Wege der Schadenssch\u00e4tzung nach \u00a7 287 ZPO treffen kann, entbehrt seine Auffassung, der Kl\u00e4ger habe gegen seine Verpflichtung zur Geringhaltung des Schadens versto\u00dfen, einer tragf\u00e4higen Grundlage. Zudem widerspricht eine solche Auffassung zahlreichen Urteilen und Darstellungen im Schrifttum, die eine Kalkulation der Verg\u00fctung von KFZ-Sachverst\u00e4ndigen nach der Schadensh\u00f6he als \u00fcblich bezeichnen, wobei einige davon ausgehen, dass 97 bis 98 % aller Gutachter diese Abrechnungsweise anwenden (vgl. AG N\u00fcrnberg ZfS 2004, 131; LG Halle ZfS 2006, 91; Hiltscher NZV 1998, 488, 490; H\u00f6rl, aaO, 309 Fn. 54; K\u00e4\u00e4b\/Jandel NZV 1998, 268, 269; Otting VersR 1997, 1328, 1330; Ro\u00df NZV 2001, 321, 323).<\/div>\n<\/li>\n<li type=\"a\">\n<div class=\"FR1\" align=\"justify\">Die Revision r\u00fcgt schlie\u00dflich zu Recht, das Berufungsgericht habe bei der Ablehnung eines Ersatzes f\u00fcr die Fahrtkosten und die Terminalgeb\u00fchr nicht beachtet, dass der Sachverst\u00e4ndige die entsprechenden Positionen gem\u00e4\u00df einem Hinweis des Kl\u00e4gers in der Klageschrift und der Berufungserwiderung in einem dem Gericht vorgelegten Schreiben vom 26. November 2004 (Anlage A 5) erl\u00e4utert hat.<\/div>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<div class=\"FR1\" align=\"center\">\n<p align=\"center\"><strong>III.<\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\">Nach den vorstehenden Ausf\u00fchrungen ist das Berufungsurteil aufzuheben und die Sache zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zur\u00fcckzuverweisen, damit dieses unter Beachtung der dargestellten Grunds\u00e4tze erneut \u00fcber den Anspruch entscheidet.<\/p>\n<p align=\"justify\">\n<\/div>\n<div class=\"FR1\" align=\"justify\">\n<table border=\"0\" width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span style=\"color: #808080;\">M\u00fcller<\/span><\/td>\n<td>\n<div align=\"center\"><span style=\"color: #808080;\">Greiner<\/span><\/div>\n<\/td>\n<td>\n<div align=\"right\"><span style=\"color: #808080;\">Wellner<\/span><\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<div align=\"right\"><span style=\"color: #808080;\">Pauge<\/span><\/div>\n<\/td>\n<td><\/td>\n<td><span style=\"color: #808080;\">St\u00f6hr<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong>Vorinstanzen:<\/strong><\/p>\n<p>AG F\u00fcrstenwalde, Entscheidung vom 27.04.2005 &#8211; 30 C 54\/05 &#8211;<br \/>\nLG Frankfurt (Oder), Entscheidung vom 02.03.2006 &#8211; 15 S 179\/05 &#8211;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><i><strong>Quelle: Pressestelle des Bundesgerichtshofs<\/strong><\/i><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESGERICHTSHOF IM NAMEN DES VOLKES URTEIL VI ZR 67\/06 Verk\u00fcndet am: 23. Januar 2007 H o l m e s, Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Gesch\u00e4ftsstelle in dem Rechtsstreit Nachschlagewerk: ja BGHZ: nein BGHR: ja BGB \u00a7 249 Gb Nach einem Verkehrsunfall kann grunds\u00e4tzlich ein in Relation zur Schadensh\u00f6he berechnetes Sachverst\u00e4ndigenhonorar als erforderlicher Herstellungsaufwand im Sinne [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2160,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[29],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kfz-expert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2912"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kfz-expert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kfz-expert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kfz-expert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kfz-expert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2912"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.kfz-expert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2912\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2913,"href":"https:\/\/www.kfz-expert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2912\/revisions\/2913"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kfz-expert.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2160"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kfz-expert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2912"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kfz-expert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2912"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kfz-expert.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2912"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}