{"id":2756,"date":"2019-10-15T00:36:54","date_gmt":"2019-10-14T22:36:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kfz-expert.de\/?p=2756"},"modified":"2019-10-15T00:36:54","modified_gmt":"2019-10-14T22:36:54","slug":"bundesgerichtshof-zur-frage-ob-ein-vorsteuerabzugsberechtigter-geschaedigter-bei-anschaffung-eines-ersatzfahrzeugs-verpflichtet-ist-ein-regelbesteuertes-fahrzeug-zu-erwerben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kfz-expert.de\/?p=2756","title":{"rendered":"Bundesgerichtshof zur Frage, ob ein vorsteuerabzugsberechtigter Gesch\u00e4digter bei Anschaffung eines Ersatzfahrzeugs verpflichtet ist, ein regelbesteuertes Fahrzeug zu erwerben"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><b><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.kfz-expert.de\/bilder\/bgh_re1.jpg\" width=\"81\" height=\"72\" border=\"0\" \/><\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b><span style=\"font-size: xx-large;\">BUNDESGERICHTSHOF<\/span><\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b><span style=\"font-size: x-large;\">IM NAMEN DES VOLKES<\/span><\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b><span style=\"font-family: Times New Roman, Times, serif; font-size: x-large;\">Beschluss<\/span><\/b><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, Times, serif;\">VI ZR 245\/07<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, Times, serif;\">vom<br \/>\n25. November 2008<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, Times, serif;\">in dem Rechtsstreit<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, Times, serif;\">Nachschlagewerk: ja<br \/>\nBGHZ: nein<br \/>\nBGHR: ja<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">BGB \u00a7 249 Fb, \u00a7 254 Dc<\/p>\n<p align=\"justify\">Zur Frage, ob ein vorsteuerabzugsberechtigter Gesch\u00e4digter bei Anschaffung eines Ersatzfahrzeugs verpflichtet ist, ein regelbesteuertes Fahrzeug zu erwerben.<\/p>\n<p align=\"justify\">BGH, Beschluss vom 25. November 2008 &#8211; VI ZR 245\/07 &#8211; AG Celle<\/p>\n<p align=\"justify\">Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 25. November 2008 durch die Vizepr\u00e4sidentin Dr. M\u00fcller, die Richter Dr. Greiner, Wellner, Pauge und St\u00f6hr<br \/>\nbeschlossen:<\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"justify\">Der Antrag auf Zulassung der Sprungrevision gegen das Urteil des Amtsgerichts Celle vom 23. August 2007 wird auf Kosten der Beklagten abgelehnt.<\/p>\n<p>Der Gegenstandswert f\u00fcr das Zulassungsverfahren wird auf 2.235,29 \u20ac festgesetzt.<\/p>\n<p align=\"justify\">\n<\/blockquote>\n<p align=\"center\"><strong><u>Gr\u00fcnde:<\/u><\/strong><\/p>\n<p align=\"center\"><strong>I.<\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\">Die Beklagte haftet als Haftpflichtversicherer des Sch\u00e4digers in vollem Umfang aus einem Verkehrsunfall, bei dem das Fahrzeug der Kl\u00e4gerin einen Totalschaden erlitten hat. Gem\u00e4\u00df dem nach dem Unfall eingeholten Gutachten betrug der Wiederbeschaffungswert 14.000 \u20ac und der Restwert 4.500 \u20ac, jeweils einschlie\u00dflich Umsatzsteuer auf der Grundlage der Differenzbesteuerung. Die vorsteuerabzugsberechtigte Kl\u00e4gerin erwarb ein gleichartiges, differenzbesteuertes Ersatzfahrzeug zu einem Preis von 15.900 \u20ac. Das besch\u00e4digte Fahrzeug ver\u00e4u\u00dferte sie f\u00fcr 4.500 \u20ac an ein Autohaus.<\/p>\n<p>Die Beklagte hat den Fahrzeugschaden auf der Basis eines Netto-Wiederbeschaffungswerts unter Abzug einer Umsatzsteuer von 19 % f\u00fcr den Wiederbeschaffungswert und den Restwert in H\u00f6he von 7.983,20 \u20ac reguliert. Sie tr\u00e4gt vor, die Kl\u00e4gerin h\u00e4tte ein regelbesteuertes Fahrzeug als Ersatz anschaffen m\u00fcssen und k\u00f6nne die Umsatzsteuer nicht verlangen. Vergleichbare Fahrzeuge w\u00fcrden zu 30 % regelbesteuert angeboten.<\/p>\n<p>Das Amtsgericht hat die Beklagte zur Zahlung weiterer 2.235,29 \u20ac verurteilt. Dagegen hat diese mit Einwilligung der Kl\u00e4gerin einen Antrag auf Zulassung der Sprungrevision gestellt.<\/p>\n<p align=\"center\">\n<strong>II.<\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\">Der Antrag auf Zulassung der Sprungrevision ist aufgrund der schriftli-chen Einwilligung der Kl\u00e4gerin statthaft (\u00a7 566 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO), aber nicht begr\u00fcndet, weil die Rechtssache weder eine grunds\u00e4tzliche Bedeutung hat noch die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts erfordert (\u00a7 566 Abs. 4 ZPO).<\/p>\n<p>Entgegen der Auffassung der Beklagten ist nicht zu beanstanden, dass das Amtsgericht der Kl\u00e4gerin Schadensersatz auf der Basis eines Brutto-Wiederbeschaffungswerts von 14.000 \u20ac zugesprochen hat. Im Streitfall liegen die Voraussetzungen nicht vor, unter denen die Rechtsprechung angenommen hat, dass die in Rechnung gestellte Mehrwertsteuer nicht vom Sch\u00e4diger zu erstatten ist, soweit der Halter eines f\u00fcr Gesch\u00e4ftszwecke benutzten Fahrzeugs nach \u00a7 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG zum Vorsteuerabzug berechtigt ist (vgl. Senatsurteil vom 6. Juni 1972 &#8211; VI ZR 49\/71 &#8211; VersR 1972, 973, 974; BGH, Urteil vom 22. Mai 1989 &#8211; X ZR 25\/88 &#8211; NJW-RR 1990, 32, 33). Die Kl\u00e4gerin hat ein differenzbesteuertes Fahrzeug angeschafft, so dass sie nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist (vgl. \u00a7\u00a7 15 Abs. 1, 14 Abs. 4 Nr. 8, 14a Abs. 6, 14c, 25a Abs. 3, 4 UStG; Tipke\/Lang\/Rei\u00df, Steuerrecht, 19. Aufl., \u00a7 14 Rn. 144 ff.). Zudem werden selbst nach dem &#8211; bestrittenen &#8211; Beklagtenvortrag auf dem ma\u00dfgeblichen Markt vergleichbare Fahrzeuge nur zu 30 % regelbesteuert angeboten. Unter diesen Umst\u00e4nden ist es einem Gesch\u00e4digten auch im Hinblick auf eine etwaige Schadensminderungspflicht (\u00a7 254 Abs. 2 BGB) nicht zumutbar, sich ausschlie\u00dflich nach einem regelbesteuerten Fahrzeug umzusehen und ein solches zu erwerben, um zur Entlastung des Sch\u00e4digers die Vorsteuerabzugsberechtigung geltend machen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7 97 Abs. 1 ZPO.<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"90%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"33%\">\n<div align=\"center\"><span style=\"color: #808080;\">M\u00fcller<\/span><\/div>\n<\/td>\n<td width=\"34%\">\n<div align=\"center\"><span style=\"color: #808080;\">Greiner<\/span><\/div>\n<\/td>\n<td width=\"33%\">\n<div align=\"center\"><span style=\"color: #808080;\">Wellner<\/span><\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" width=\"90%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"50%\">\n<div align=\"center\"><span style=\"color: #808080;\">Pauge<\/span><\/div>\n<\/td>\n<td width=\"50%\">\n<div align=\"center\"><span style=\"color: #808080;\">St\u00f6hr<\/span><\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Vorinstanz:<br \/>\nAG Celle, Entscheidung vom 23.08.2007 &#8211; 13 C 926\/07 (10b) &#8211;<\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><i><b>Quelle: Bundesgerichtshof<\/b><\/i><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESGERICHTSHOF IM NAMEN DES VOLKES Beschluss VI ZR 245\/07 vom 25. 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