Auswirkungen der Finanzkrise auf die Automobilwirtschaft
BVSK-Präsident Ing. Harald Brockmann warnt davor, die derzeitige Finanzkrise ausschließlich als Automobilkrise wahrzunehmen. Nicht mehr hinnehmbar seien die ständigen fernsehwirksam verpackten Erläuterungen einiger so genannten Automobilprofessoren, die vor allen Dingen dazu beitragen würden, Verbraucher weiter zu verunsichern. Natürlich führt die Finanzkrise auch zu einem zurückhaltenden Konsumverhalten, das natürlich auch den Kauf eines neuen oder gebrauchten Autos berührt. Allerdings läge das Durchschnittsalter der Fahrzeuge in Europa bei fast 9 Jahren und selbst in Deutschland seien die Fahrzeuge älter als 8 Jahre. Alleine diese Tatsache lässt erwarten, dass der konkrete Erneuerungsbedarf 2009 und 2010 zu Absatzzahlen führen wird, die durchaus im Rahmen der Planungen liegen. Alleine die Bedeutung des deutschen und europäischen Marktes für die meisten Automobilhersteller Deutschlands zeigt, dass die unstreitig vorhandene Absatzkrise in den Vereinigten Staaten nicht in voller Wucht durchschlagen wird.BVSK-Präsident Ing. Harald Brockmann wies darauf hin, dass es unverantwortlich sei, wenn in der Öffentlichkeit Aussagen eines Automobilprofessors zitiert würden, die den Konkurs der deutschen Opelwerke für Mitte 2009 in Aussicht stellten. Derartige Aussagen, die ohne Bezug zur Wirklichkeit stehen, verunsichern letztlich die Käufer, die in Erwägung ziehen, einen Opel zu erwerben.
Völlig falsch sei auch der Weg, nur noch über mögliche Rabatte, die in Anbetracht der Krise zu erzielen seien, zu sprechen. Die Erwartungshaltung, die hier bei potentiellen Automobilkäufern geweckt wird, wird langfristig nicht erfüllbar sein. Kein Händler kann auf Dauer mehr Nachlässe gewähren, als er selbst als Marge vom Hersteller erhält. Hohe Neuwagenrabatte führen überdies zu geringen Gebrauchtwagenwerten, so dass am Ende der Käufer – trotz des hohen Nachlasses – nicht besser dasteht, sondern möglicherweise sogar schlechter. Schon in den letzten Jahren haben die deutschen Automobilhändler mit dem Neuwagengeschäft kaum Gewinne erzielt.
Entscheidend für das Wohlergehen der Kfz-Betriebe sei ein intaktes Karosserie- und Lackgeschäft. Insoweit betrachtet es der BVSK mit großer Sorge, dass die derzeitige Krisenstimmung offenbar ganz bewusst durch verschiedene Versicherer ausgenutzt wird, Einsparungen im Karosserie- und Lackgeschäft zu realisieren. So tritt die Allianz derzeit mit einem Fairplay-Konzept auf, dass vor allen Dingen darauf aufbaut, Kfz-Sachverständige und Rechtsanwälte aus der Schadenabwicklung herauszuhalten, um letztlich ohne Kontrolle die Höhe der Schadenabwicklung selbst bestimmen zu können.
Die zweite große Kfz-Versicherung, HUK-Coburg, tritt mit Angeboten am Markt auf, in der Hoffnung, dass die derzeitige Krise schwächelnde Kfz-Betriebe dazu verleitet, Stundenverrechnungssätze zu akzeptieren, die weit unter den eigenen Kosten liegen. Der BVSK fordert, dieses Verhalten, das für 35.000 mittelständische Kfz-Reparaturbetriebe in Deutschland und für 5.000 unabhängige Kfz-Sachverständige existenzbedrohend ist, endlich in den Mittelpunkt der Diskussionen zu stellen. Es dürfe nicht sein, so Brockmann, dass mit dem Argument einer Finanz- und Wirtschaftskrise versucht wird, geltendes Recht außer Kraft zu setzen und Geschädigten Ersatzansprüche vorzuenthalten.
Der BVSK wird sich gegen alle Angriffe auf das Recht, einen unabhängigen Kfz-Sachverständigen hinzuzuziehen, auch mit Rechtsmitteln unmittelbar oder über seine Mitglieder zur Wehr setzen, so Rechtsanwalt Elmar Fuchs, Geschäftsführer des BVSK. Man betrachte mit großer Sorge, dass vor dem Hintergrund der Finanzkrise Versicherer in der Unfallschadenabwicklung Kosteneinsparungsargumente vortragen, die mit der geltenden Sach- und Rechtslage nichts zu tun haben, so Fuchs.
Eine korrekte Unfallschadenregulierung sei letztlich nur möglich mit Hilfe unabhängiger Partner, die keinerlei Weisungen unterworfen sind. Wer nach einem unverschuldeten Verkehrsunfall auf einen unabhängigen Sachverständigen verzichtet, verzichtet häufig auf erhebliche Geldbeträge, die ihm als Schadenersatz zustehen. Auch die Kfz-Reparaturbetriebe sind gut beraten, im Interesse ihrer Kunden auf die Möglichkeit der Einschaltung eines unabhängigen Sachverständigen zu verweisen, statt den häufig scheinbar einfachen, aber für den Geschädigten ungünstigeren Weg der direkten Einschaltung eines Versicherers zu wählen.
Quelle: Presseinformation des BVSK